200. Geburtstag von Karl Marx

Heute ist der 200. Geburtstag von Karl Marx. Für die Verbrechen, die in seinem Namen begangen wurden kann er nichts persönlich. Wohl aber für seine Schriften für die er als Verfasser gemeinsam mit Friedrich Engels steht, die bis heute als Handbuch und Blaupause für sozialistische Diktatoren, Terroristen und Massenmörder dienen. Denn letztendlich fordert Marx nicht weniger als eine Diktatur, die einer demokratischen Idee und dem Schutz und Achtung des Einzelnen völlig zuwider ist. Ob Arbeitszwang, unrechtmäßige Enteignungen und das völlige Negieren von persönlicher Individualität in einer Gemeinschaft. All dies findet sich schon in seinen Texten, lange bevor Stalin mit seinen Gulags auf die Weltbühne trat.

Aus seiner Ideologie erwuchsen viel zu häufig massive Verletzungen der Menschenrechte, ausgeführt durch totalitäre kommunistische Regime. Und selbst jüngere Ansätze wie die des „Sozialismus im 21. Jahrhundert“ in Venezuela, anfangs auch von der Masse des Volkes getragen, haben sich inzwischen in stets gleiche Muster der Gewalt und Tyrannei gegen die eigene Bevölkerung begeben. Und selbst Kuba, durch seinen Stillstand in karibischer Romantik verklärt und beliebtes Urlaubsland, ist weiterhin ein unfreies Land, aus dem bisher ein Fünftel der Bevölkerung geflohen ist.
Die Aussage, „das wäre ja alles kein richtiger Kommunismus gewesen,“ sind in Anbetracht der weltweiten Auswüchse der letzten 100 Jahre ein blanker Hohn für alle Opfer.

Mir fehlte in diesen Tagen Sympathie, Verständnis und Anerkennung für die Opfer. Stattdessen gab es im mitunter Radiosendungen, in denen nach dem Lieblingsliebesgedicht von Marx gefragt wurde. Diese Opfer erlitten Schandtaten wie individuelle und kollektive Morde und Hinrichtungen, Tod in Konzentrationslagern, Hunger, Deportationen, Folter, Sklavenarbeit und andere Formen des massiven physischen und psychischen Terrors, bis hin zur Ausgrenzung und Isolierung der Gesellschaft. Besonders letzteres ist durch Einrichtungen wie die der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen bestens belegt und ist übrigens kaum erst 30 Jahre her als es direkt vor unserer Haustüre nebenan passierte. Bei Zeitzeugenberichten, vor allem im persönlichen Gespräch, sind solche Schilderungen immer erschreckend.

Rund 100 Millionen Menschen sind nach konservativer Schätzung durch Kommunisten getötet worden. Für mich ist das kein Grund zum Feiern. Erst Recht nicht, Statuen von ihm aufzustellen, die in ihrer Art und Weise aus einer Zeit und aus einem Geiste stammen, die ich mir absolut nicht zurückwünsche.

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„Bloß keine Freude!“ – Die Deutschen und ihr Nationalfeiertag

(c) Zeitenstrom 2015

(c) Zeitenstrom 2015

Der 3. Oktober ist ein blasser Feiertag. Wer in die Kommentarspalten der Sozialen Medien schaute, sah vor allem eins: deutsches Genörgel. Dies ist eine Gemeinsamkeit, die durch alle politischen und weltanschaulichen Ansichten geht. Der eine beklagte, dass seit der Einheit man nur noch verarscht wurde. Der andere spricht von einer Annektierung Deutschlands. Ein anderer sieht das Ende des Abendlandes gekommen, da nun die Flüchtlinge unsere Kultur vernichten würden. Die Reaktion darauf? Genau wie damals müssten wir nun eine neue Einheit mit den Flüchtlingen darstellen. Nunja, unter Kaiser Augustus gehörten einige Teile des heutigen Deutschlands dem römischen Imperium an, ebenso das heutige Syrien. Ein weiterer merkt an, dass wir doch gar keine Kultur hätten.

Es ist zum Verzweifeln. Als ich noch in der Schule war, machte mein alternativ geprägter Politiklehrer eine Umfrage. „Fühlt ihr euch eher als…“

a) Kölner?

b) Rheinländer?

c) Deutscher?

d) Europäer?

e) Weltbürger?

Die Antworten waren interessant. Nahezu alle Kategorien wurden gleich verteilt von meinen Klassenkameraden angekreuzt. Nur eine Kategorie wurde nicht angekreuzt. Deutsch wollte keiner sein. Es ist ein typisches Paradoxon der Deutschen. Man ist gerne Kölner, Rheinländer, sogar Nordrhein-Westfale, vom Gemütszustand schon ein Widerspruch in sich, oder eben Europäer, aber deutsch will man nicht sein. Der Deutsche flüchtet gerne in die kleinste oder größte Ebene seines Gemeinwesens. Schon höre ich einige aufschreien: Die deutsche Geschichte verbiete es, dass man irgendwie deutsch sein sollte.

Aber nun gut, es geht hier um die deutsche Einheit. Kann man darauf stolz sein, als Teil unserer jüngeren Geschichte? Nein, bloß nicht. „Du warst doch gar nicht dabei“, sagt da manch einer zu mir. „Es ist doch immer noch alles schrecklich“. Ist es das? Das Renten und Löhne sich nicht in beiden Hälften Deutschlands angepasst haben, ist wirklich eine Schande? Aber warum wagt keiner den Blick aufs Ganze?

Zum ersten Mal in unserer Geschichte leben alle Deutschen vereint in einem freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat. Das Ausland respektiert uns, fürchten muss uns keiner mehr, auch wenn das einige Populisten hier und in manchen Ländern Europas wieder heraufbeschwören wollen. Ihre Stimme ist laut, aber wirkungslos. Das wiedervereinte Deutschland gehört zu den beliebtesten Ländern der Welt und dabei ist es erst ein Menschenleben her, dass dieses „Volk“ die schlimmsten Menschheitsverbrechen ausgeführt hat. Das Deutschland seit 1945 hat eine enorme Entwicklung getan. Darauf kann man im Rückblick schon froh drauf sein.

„Es ist doch bloßer Zufall, dass du hier geboren bist und nicht woanders!“ Mag stimmen. Aber hier bin ich nun einmal her. Auch wenn man mir meine niederländische Herkunft oft ins Gesicht hält um mich auszuschließen. Aber genauso hat doch keiner ein Problem Fan eines Fußballclubs zu sein, ist doch auch zufällig ausgesucht, keiner hat ein Problem stolz auf sein Viertel und seine Stadt zu sein. Ersetzen Sie, geehrte Leserin, geehrter Leser, mal die Worte „Köln“ oder „Kölle“ aus den Karnevalsliedern durch „Deutschland“. Cat Ballou sänge dann „et jitt kei wood dat sage künnt, wat ich föhl, wann ich an Deutschland denk, wann ich an ming Heimat denk!“, da wird auch mir mulmig, weil es ungewohnt und falsch klingt, so über Deutschland zu denken. Und auch Köln hat keine weiße Weste in der NS-Zeit gehabt. Die Aussage, dass das „katholische Köln“ sich nicht von Hitler einlullen ließ, ist eine Mär. Allein der Karneval hat sich mit seinem damaligen Antisemitismus unendlich schuldig gemacht. Dennoch wird er ausgiebig gefeiert und natürlich soll das auch so bleiben. Der Kölner Karneval steht zu seiner dunklen Vergangenheit.

Doch es war auch mal schlimmer. Denn vor der Wiedervereinigung 1990 gab es den 17. Juni als „Feiertag“. Das Beste an diesem Tag: Zu feiern gab es überhaupt nix. Es galt den Toten des Volksaufstandes in der DDR von 1953 zu gedenken. Also glich dies eher einer Trauerfeier? Mitnichten? Besonders in den 50er und 60er Jahren wurde das Ereignis bombastisch von der politischen Klasse gefeiert. Alle Schülerinnen und Schüler mussten an diesem Tag in Sonntagskleidung in die Klasse kommen, auch wenn der Feiertag auf ein Wochenende fiel. Anstatt einer schwarz-rot-goldenen Fahne, wehte eine schwarz-weiß-rote. Dort schwafelte der Lehrer vom kommenden Wiederaufstieg des Deutschen Reichs und wie heldenhaft er und seine Kameraden gekämpft hatten. Dabei bemerkten einige Schüler, dass der Lehrer, während er zu seiner Rede seine Arme schwang, eine merkwürdige Narbe über seinem linken Ellenbogen hatte. Nein, nicht das was Sie denken, er war kein Holocaust-Opfer, sondern Angehöriger der SS gewesen, die ihre Blutgruppe in den Arm tätowiert hatten. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches hatten viele versucht ihre Tätowierung eher schlecht als recht raus zuschneiden. Nach dem Krieg tauchten sie alle unter und lebten den Rest ihres braunen Lebens unbehelligt, oft, wie in diesem Beispiel, im Staatsdienst. Sie sehen, deutsche Nationalfeiertage waren auch schon einmal schlimmer als heute.

Doch die Distanz zu Deutschland bleibt. Als ich am Samstag zu einem Konzert zum Anlass der Deutschen Einheit ging, sang ein Chor samt Orchester Beethovens 9. zusammen mit Schillers „Ode an die Freude“. Aus gegebenen Anlass sang man Schillers Text auch auf arabisch und serbisch für die beim Konzert anwesenden Flüchtlinge. Beethovens 9. Sinfonie gilt als Europahymne und war gemäß der Deutschen Einheit vollkommen richtig am Platze. Die Nationalhymne spielte man jedoch nicht. Hätten Sie sich das in einem anderen Land vorstellen können, dass zum Nationalfeiertag nicht die Hymne gespielt wird? In den USA spielen sie vor jedem klitzekleinen Highschool Football-Game die Hymne. Auch wenn ich einigen Schulkapellen dringend mehr Übung im Treffen der Töne empfehle.

Da war sie wieder, der deutsche Wille, lieber Europäer als Deutscher zu sein. Mit Chor und Orchester hätte der Text von Fallersleben und die Musik Haydns bestimmt toll geklungen. Denn die in der dritten Strophe des Deutschlandliedes gesungenen Verse sind Werte, vor denen sich keiner verstecken muss: „Einigkeit und Recht und Freiheit“.

 

 

 

 

„Wir erschossen auch Hunde“ – Kriegsalltag im Irak

(c) Willem Fromm 2007

(c) Willem Fromm 2007

Das Gute an Geschichte ist, dass sogar diese Worte, die Sie, verehrte Leserin oder verehrter Leser, gerade überflogen haben schon direkt sich im Reich der Vergangenheit befinden. Und so eröffnen sich nahezu elf Jahre später nach der Invasion der US-Amerikaner im Irak ein neues Themenfelder. Zu diesen trägt der Ex-Marine Phil Klay nun mit seinem neuesten Kurzgeschichtenband lyrisch bei.

Zwar ist es noch offen, ob durch die Geschehnisse der IS-Terroristen nicht ein direkter Zweiter Akt zum Irakkrieg sich eröffnet hat, der nun auch möglicherweise in unsere direkte Nachbarschaft geraten ist. Erst gestern wurde die Scheibe des Ateliers neben meiner Wohnung von Unbekannten beschädigt. Die an der Scheibe angebrachte Karikatur beinhaltete eine Persiflage über eine Sympathisantengruppe des IS. Und einige Wochen zuvor hatten Rechtsextreme und Hooligans diese islamistische Vereinigung zum Anlass genommen, die Kölner Innenstadt zu verwüsten. Doch genug des schnöden Alltags und hinein ins Weltgeschehen.

In letzer Zeit hatte ich ein regelrechtes Lesefieber. Dabei komme ich eigentlich kaum dazu zuhause ein Buch zu lesen. Meistens lese ich in der Bahn und dennoch wohl oft trotz des Gedrängels so intensiv, dass ich nach einer Woche bereits das nächste Buch in die Hand nehme. Phil Klays Buch „Wir erschossen auch Hunde“ sprang mir in der Buchhandlung sofort ins Auge. Es versprach, nicht aus einem bestimmten politischen Motiv über den Irak Krieg negativ zu berichten oder sonst wie Erinnerungen wie bei einem Frontbericht zu liefern. Vielmehr verarbeitet Klay seine Eindrucke aus der Ich-Perspektive anhand verschiedener fiktionaler Personen, denen jeweils ein Kapitel gewidmet ist. Eine Art „Im Westen nichts neues“ in Kurzgeschichtenbandform. Die Kurzgeschichten sprechen nicht so viel über Einzelheiten von Feuergefechten wie man eigentlich es in so einer Kategorie erwarten würde. Es handelt eher von den inneren Monologen und Gedankengängen der Soldaten nach dem Einsatz.

Ob hierbei meine nie erfolgte Erfahrung im Militär dafür verantwortlich ist, weiß ich nicht. Es entstand bei mir zwar immer ein fesselndes Lesebedürfnis, dass ich nahezu vollständig in die Handlung eintauchte. Dennoch sind alle Kurzgeschichten in ihrer Atmosphäre nahezu deprimierend. Sehr nachdenkliche Filme wie „The Hurt Locker“, lassen grüßen, die sich komplett von anderen Militärfilmen abheben wie zum Beispiel „Black Hawk Down“, in dem doch trotz des grauenhaften Einsatzes und des Elends der jungen Soldaten eher die Actionszenen im Vordergrund stehen.

Die lyrischen-Ichs der Kurzgeschichten sind nahezu alle ziellos, unsicher und nicht im Klaren wofür eigentlich genau sie hier im Einsatz sind. Sie fühlen sich zuhause nicht verstanden und verstehen sich wahrscheinlich selbst oft nicht. Ein Verhalten, welches generell bei Veteranen jeglicher Konflikte und Kriege auftritt. Ohne es auszusprechen, erfährt man hier die Gedankenwelt eines Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung.

Einige Beispiele aus der Handlung seien hier zur Veranschaulichung angebracht: Da möchte ein Entwicklungshelfer ein Wasserkraftwerk in der irakischen Provinz An-Anbar wieder in Stand setzen. Doch lokale Konflikte zwischen Ethnien vor Ort, das Desinteresse der irakischen Behörden und der hohe Aufwand dafür lassen den Entwicklungshelfer verzweifeln. Stattdessen wäre es günstiger und medienwirksamer für die Presse und für Washington wenn man Kindern das Baseball spielen beibringen würde. Iraker spielen jedoch ausschließlich Fußball. Oder es folgt eine Diskussion unter Artilleristen wer denn jetzt der Mörder sei. Nachts zuvor hatten sie zum ersten und einzigem Mal in ihrer Einsatzzeit ihre Kanonen auf Ziele in mehreren Kilometern Entfernung  abgefeuert. Ist nun der Schütze, der den Abzug der Kanone zog der Sündige? Oder vielleicht auch die, die diese geladen hatten oder nur haben diese nur eine Teilschuld? Bestehe womöglich auch die Wahrscheinlichkeit, dass nur ein Artillerie-Team die Mörder waren, weil mehrere Kanonen gleichzeitig gefeuert hatten und nach dem ersten Schuss schon alle feindlichen Ziele tot waren?

Nein, Phil Klays Kurzgeschichten bieten keinerlei Kriegsromantik, keine adrenalingeladenen Actionszenen oder heldenhafte Erzählung vom Schlachtfeld. Aber es ist auch nicht anti-amerikanisch oder mit Hass auf irgendwen oder irgendwas eingestellt. Hier steht der Mensch im Mittelpunkt und seine Selbstreflexion auf etwas so unfassbar unbegreifliches für die menschliche Psyche. Wie es eben nur ein Krieg sein kann.

“Wir erschossen auch Hunde“ von Phil Klay ist im Suhrkamp Verlag erschienen und hat 301 Seiten. Der derzeitige Preis (Stand Dezember 2014) beträgt 16,99 € (17,50 € für unsere Brüder in Österreich). Erhältlich bevorzugt beim lokalen Buchhändler des Vertrauens.

 

 

Buchkritik: Garbo, der mächtigste Doppelspion des Zweiten Weltkriegs

Günter Havlena  / pixelio.de

Günter Havlena / pixelio.de

Der britische Geheimdienst versteht im Frühjahr 1942 die Welt nicht mehr. Sie fangen einen Funkspruch eines deutschen Agenten namens „Alaric Arabel“ ab, der den deutschen Nachrichtendienst mit neuen Informationen füttert. Ein Konvoi habe sich von Liverpool aufgemacht, es folgen genaue Daten der Route. Sofort steigen Flugzeuge der deutschen Luftwaffe auf und U-Boote bringen sich in Position, um eine Falle für den britischen Konvoi zu stellen. Doch nach mehreren Stunden brechen die Deutschen ihr Vorhaben ab. Sie können nirgendwo den britischen Konvoi auffinden. Doch nicht nur die Deutschen sind dazu nicht im Stande. Denn auch die Briten wissen nicht, welche Flotte gemeint war. Keine Flotte war zum Ziel nach Malta aufgebrochen, wie es doch der deutsche Agent gemeldet hatte. Doch was sollte diese Aktion? Ganz einfach. Langsam dämmerte es den Briten, dass „Alaric Arabel“ gerade sein Bewerbungsschreiben an ihren Geheimdienst geschickt hatte.

Die neue Biografie über Joan Pujol Garcia versprüht zwar keine James Bond-Romantik, dennoch ist dem Autor Arne Molfenter, Absolvent der Deutschen Journalistenschule, ein durchgehend spannender Roman gelungen. Allein der Untertitel „Das Geheimnis des D-Day“ ist etwas unglücklich gewählt. Vermutlich steckt hier der Piper-Verlag dahinter, um das Buch plakativer vermarkten zu können. Es sei verziehen, wenn auch der D-Day nicht den kompletten Umfang des Buches ausmacht. Wie es sich für eine Biografie gehört, fängt das Buch ganz von vorn an. Anfangs beruflich etwas ziellos, wurde Garcia ein Geflügelfarmer. Der Tod seines Vaters gab ihm eine gute Grundlage zum Leben, so war er zu Lebzeiten Besitzer einer Fabrik gewesen. Doch schnell sollte die Weltgeschichte das Leben des Katalanen ändern.

Mit Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges im Jahre 1936, in dem die sozialistische Regierung, genannt Republikaner, gegen die Putschisten, genannt Nationalisten, kämpften, bekam „Garbo“ seine Abneigung gegen politisch extremistische Ideologien. Die Enteignung der Fabrik seines Vaters und der Schikane durch die Republikaner ließ ihm zuerst seine Abscheu gegen den Sozialismus wachsen. Nachdem er dem Wehrdienst im Bürgerkriegs zerrütteten Spanien auf Seiten der Republikaner zuerst entkommen war, musste er nach einer kurzen Haftstrafe doch im republikanischem Militär dienen. An der Front angekommen, flüchtete er mit einigen Kameraden zu den Stellungen der Nationalisten. Doch auch dort wurde er misshandelt und entwickelte seine Verachtung für den Faschismus. Nach drei Jahren Krieg hatten die Nationalisten 1939 mit großer Unterstützung Nazi-Deutschlands den Bürgerkrieg für sich entschieden.

Daher war Spanien ein beliebtes Operationsgebiet des deutschen Geheimdienstes. Dieser Tatsache geschuldet, setzte „Garbo“ nun alles daran Agent der Briten zu werden. Diese wiesen ihn jedoch ab, da sie fürchteten, er sei ein Agent der Deutschen. Dies veranlasste ihn zu einem ungewöhnlichem Schritt. Er heuerte bei den Deutschen an mit der Lüge, er habe ein Visum für England. Diese nahmen ihn mit Freude an. Denn Agenten gegen Großbritannien wurden händeringend gesucht. Garbos Taktik war es von nun an, sich für die Briten bemerkbar zu machen. Denn anders als die Deutschen dachten, war Garbo weiterhin in Spanien und spinnte die haarsträubendsten Lügengeschichten über Truppenbewegungen in Großbritannien. Garbo hatte sein Heimatland bis dahin noch nie verlassen, seine Grundlage über England war ein veralteter Reiseführer aus der Stadtbibliothek. Doch in Ermangelung von Agenten in Großbritannien glaubten die Deutschen fahrlässig alles, was ihr Agent „Alaric Arabel“ ihnen schickte.

Mit dem nahezu unbegrenzten Vertrauen des deutschen Geheimdienstes war Garbo nun doch interessant geworden. Umgehend wurde er nach Großbritannien gebracht. Dort baute er mithilfe des britischen MI-5 Geheimdienstes ein fiktives Spionagenetzwerk auf und täuschte nahezu während des gesamten Kriegsverlaufes den deutschen Geheimdienst. Dies ging sogar soweit, dass Garbo es den Deutschen verkaufen konnte, dass die alliierte Invasion in Frankreich nicht in der Normandie stattfinden würden. Das Vertrauen auf deutscher Seite war so groß, dass selbst acht Wochen nach der Invasion, man die Invasion immer noch weiter östlich bei Caen vermutete. Ganze 22 deutsche Divisionen waren in Caen gebunden und die Alliierten konnten viel schneller in Europa Fuß fassen. Dies beschleunigte den Kriegsverlauf und hat auch auf beiden Seiten langfristig viele Opfer verhindert.

“Garbo. Der Spion. Das Geheimnis des D-Day“ von Arne Molfenter ist im Piper Verlag erschienen und hat 286 Seiten. Der derzeitige Preis (Stand Dezember 2014) beträgt 19,99 €. Erhältlich bevorzugt beim lokalen Buchhändler des Vertrauens.

 

Buchkritik: Wie ein katholischer Priester 6000 Menschen in Rom vor den Nazis versteckte

Vatikan (2)

(c) Willem Fromm 2003

Nachdem die Deutschen im Jahr 1943 auch noch das vormals verbündete Italien besetzen, beginnt der Holocaust nun auch in der Ewigen Stadt Rom. Der Vatikanstaat bleibt jedoch souverän und wird nicht besetzt. Doch auch viele Kriegsgefangene versuchen in den Wirren des Krieges in Rom und im Vatikan Zuflucht zu finden. Diese Hilfe finden sie beim irischen Priester Hugh O’Flaherty; er kommt einem römischen Oscar Schindler nahe und rettete mehrere tausend Leben. 

Als Hugh O’Flaherty im Vatikan eine kleine Messe in einer Kapelle hält, staunt er nicht schlecht. Im Publikum sitzen doch tatsächlich zwei Gestapo-Männer. Ihr Plan ist es, O’Flaherty nach dem Gottesdienst heimlich aufzugreifen und ihn dann über die weiße Linie, die den Vatikan, einen neutralen souveränen Staat, von Italien abgrenzt, zu entführen und dann zu ermorden. Zwar war dies eine neue Stufe der Verfolgung, die dem Priester nun begegnete, doch auch aus dieser Schlinge konnte er sich herausziehen. Mit seinem Kopfnicken führen Schweizer Gardisten vor den Augen der Gottesdienstgemeinde die zwei Männer aus dem Gottesdienst heraus. Diese bleiben zuerst ganz lässig; man würde sie bestimmt nur aus dem Vatikan ausweisen, also nur über den Petersplatz wegscheuchen in Sichtweite der deutschen Fallschirmjäger, die die italienisch-vatikanische Grenze bewachen. Doch die Gardisten biegen in eine kleine Gasse ab und dort werden sie schon erwartet. Jugoslawische Partisanen nutzen die Gelegenheit und richten die beiden Gestapo-Männer übelst zu. Es soll eine Warnung an die Besatzer sein.

Vor allem geht die Warnung an den Chef der Gestapo in Rom. Herbert Kappler sieht mit nahezu grenzenloser Wut zu wie O’Flaherty immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Denn schnell war Kappler klar geworden, der Priester war nicht bloß ein harmloser Kirchenbeamter. Er ist der Kopf einer riesigen Untergrundorganisation, die innerhalb Roms Tausende von den Nazis verfolgte Menschen versteckt hält. Dabei hatte O’Flaherty zunächst nur aus christlicher Nächstenliebe gehandelt und den Bitten einzelner Personen statt gegeben, sie in den Gebäuden des Vatikans zu verstecken. Dadurch wurde er jedoch schnell unter allen Verfolgten bekannt und so wuchs O’Flahertys Versteckhilfe mit Hilfe der Briten, vieler römischer Geld- und Sachspender, sowie zahlreichen dutzenden Hilfsleuten an.

„God has no Country“

All dies schildert das erst kürzlich erschienende Buch „Über die weisse(sic!) Linie“ von Arne Molfenter und Rüdiger Strempler. Es erzählt von einem Katz- und Mausspiel, das zwar der Struktur eines Tom & Jerry Streifens entspricht, jedoch mit der brutalen Realität des Holocausts und des deutschen Besatzungssystems. Auch werden viele herzzerreißende Einzelepisoden aus dem Besatzungsalltag erzählt. So geht ein kettenrauchender römischer Jude morgens früh zu einem Laden, um für eine der nun selten gewordenen Tabaklieferungen anzustehen. Als er nach stundenlangem Warten wieder in sein Viertel zurückkehrt, sind alle fort. In der Zeit waren alle Nachbarn, die Familie, die Frau und die Kinder deportiert worden. Zurück blieb nur er als ewig gebrochener Mann. Es ist immer ein Unterschied, ob man nur von einem Ereignis in statistischen Zahlen hört, oder ob man es durch Einzelschicksale direkt vorstellbar präsentiert bekommt.

Das Buch hat einen flüssigen Schreibstil, es ist sicherlich nicht bloß für den Historiker geschrieben. Die vielen mühsam rekonstruierten Dialoge und im Detail beschriebenen Handlungen geben den Eindruck, dass man mit diesem Buch ohnehin den allgemeinen Leser ansprechen wollte, was ich nur befürworten kann. Es ist heutzutage eine Kunst Geschichte spannend an den Mann bzw. an die Frau zu bringen.

Letztendlich rette O’Flaherty mit seinem Schaffen mindestens 6.500 Menschen aus 25 verschiedenen Nationen das Leben. Ohne die breite Unterstützung der Allierten und der römischen Bürger, die Unterkunft  und Geld zur Verfügung stellten, sowie der vatikanischen Einrichtungen innerhalb Roms und des Kirchenstaates wäre dies nicht möglich gewesen. Nach heutigen Schätzungen betrug die aufgebrachte Geldsumme für O’Flahertys Organisation einen zweistelligen Millionenbetrag in Euro. Hinter all dem stand immer die Bedrohung, dass Hitler den kleinen Vatikanstaat mit seiner gewaltigen Militärmaschinerie zerquetschen könnte. Auch dies beeinflusste maßgeblich die Handlungen aller Beteiligter. Damit wirft das Buch, auch wenn der Fall O’Flaherty der Fachwelt schon länger bekannt ist, ein neues Licht auf den Vatikan und dessen Oberhaupt Papst Pius XII., dem im Nachhinein vorgeworfen wurde, zu wenig gegen den Holocaust getan zu haben. Zwar trat hier der Papst nicht aktiv in Erscheinung, doch allem Anschein nach wusste er von dem Treiben O’Flahertys und auch wenn er dies nicht offen unterstütze, so duldete er zumindest sein Tun.

Mit der Befreiung Roms am 4. Juni 1944 endete O’Flahertys Mission jedoch nicht. Zum Unmut vieler allierter und italienischer Zeitgenossen nahm er sich nun den deutschen Kriegsgefangenen an. Sogar dem Mann, der ihn ermorden wollte, besuchte er jeden Monat im italienischen Gefängnis. Dabei hatte sich Kappler mit dem Massaker in den Adreatinischen Höhlen nicht nur als Organisator eines Massenmordes verantwortlich gemacht. Er hatte sogar persönlich an dem Massaker teilgenommen. Im Jahr 1959 wurde Herbert Kappler sogar vom ehemaligen Widersacher katholisch getauft. Auf die Frage, warum er all dies tue, antwortete O’Flaherty nur kurz und knapp: „God has no country“.

„Über die weiße Linie: Wie ein Priester über 6.000 Menschen vor der Gestapo rettete. Eine wahre Geschichte aus dem Vatikan“ ist im Kölner DuMont Buchverlag erschienen und hat 272 Seiten. Der derzeitige Preis (Stand Oktober 2014) beträgt 19,99 €. Erhältlich bevorzugt beim lokalen Buchhändler des Vertrauens.

 

„Mort pour la France“: Gefallen für den laizistischen Staat – Gedenken an den 1. Weltkrieg in Frankreich

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Soldatenfriedhof bei Ablain-Saint-Nazaire, „Notre-Dame-de-Lorette“

Die Gedenkkulturen des Ersten Weltkrieges der einzelnen Teilnehmerstaaten sind durchaus unterschiedlich. Während im letzten Beitrag die Erinnerungskultur der Deutschen geschildert wurde, geht es in diesem Beitrag um das Gedenken in Frankreich. Während die Deutschen ihre Gefallenen bescheiden bestattet haben und heute keiner mehr sich an sie erinnert, sind französische Friedhöfe große nationale Monumente.

Morts pour la France

„Mort pour la France“

Frankreich gehört zu den Siegermächten des Ersten Weltkrieges. Neben Belgien hat hier der Krieg am schlimmsten getobt. 1,3 Millionen Franzosen verloren in diesem „europäischen Bürgerkrieg“ ihr Leben. Zwar sieht man auf französischen Friedhöfen überall christliche Kreuze, aber Kapellen, Bibelverse oder Kirchen sucht man vergebens. Frankreich war seit 1905 ein laizistischer Staat. Und so kommt es, dass die Erinnerung in Frankreich weitestgehend staatlich organisiert ist. Und so steht auf jedem Grabstein „Morts pour la France“ – gefallen für Frankreich. Franzosen anderer Religionsgemeinschaften haben jedoch auch ihre eigenen Grabsteine. Jüdische Grabsteine sind bedeckt mit einzelnen kleinen Steinen, wie es in ihrer Tradition üblich ist und die von moslemischen Soldaten blicken sogar nach Osten gen Mekka. Auffällig ist die besondere Liebe zur Symmetrie. Kein einziger Hubel oder Furche ist im Rasen zu finden. Jedes Kreuz steht auf dem Millimeter genau parallel im gleichen Abstand zu den anderen.

Grabsteine, die gen Mekka blicken

Grabsteine, die gen Mekka blicken

Individuelles Gedenken wie bei den Briten ist hier eher selten. An Gedenktagen finden oft große und pompöse Veranstaltungen und Umzüge statt. Denkmäler zieren oft siegende und triumphierende Soldaten. „La Grande Nation“. Auf größeren Friedhöfen beaufsichtigen Freiwillige, zumeist Renter oder Studenten, die Grabstätten und passen auf, dass die Totenruhe von den Besuchern eingehalten wird. In vielen Gedenkräumen achten sie sogar darauf, dass absolute Stille herrscht. Hier hätte sich wohl unsere Führerin nicht getraut Gedichte herum zu brüllen.

Jüdische Grabsteine

Jüdische Grabsteine

Obwohl Frankreich laizistisch ist, beherbergt der größte französische Soldatenfriedhof Notre-Dame-de-Lorette eine Basilika im romanisch-byzantinischen Stil. Auf diesem Friedhof liegen 20.000 französische Soldaten in Einzelgräbern und weitere 20.000 unbekannte Soldaten in Massengräbern. Die meisten fielen in der Lorettoschlacht 1914. Dennoch ist man hier bei Gedenkveranstaltungen außerordentlich pingelig, um den laizistischen Charakter zu wahren. Denn diese finden immer vor der Basilika statt.

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„Wo sind die Deutschen? Schämen die sich immer noch?“

Während einer Uni-Exkursion besuchte ich die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs an der Somme. Die Reihe „1. Weltkriegs-Erinnerungskultur“ soll meine Erfahrungen dieses Ausflugs festhalten. Hier mein erster Teil.

Leider werden einige Bilder in diesem Artikel auf mobilen Geräten zu groß oder fehlerhaft dargestellt. 

Typisch deutsch: Schlicht, bescheiden und funktionaler Soldatenfriedhof

Typisch deutsch: Schlicht, bescheiden und funktionaler Soldatenfriedhof

Der Erste Weltkrieg wird als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts angesehen. Ohne diesen von 1914-1918 andauerenden Krieg, wäre Hitler niemals der große „Führer“ des Deutschen Reiches geworden. Keine Dolchstoßlegende und kein Versailler Vertrag, den er für seine politische Agitation erfolgreich hätte nutzen können. Während besonders für die Gegner Deutschlands im damaligen Krieg die Erinnerungskultur bis heute sehr lebhaft betreiben, sieht es auf deutscher Seite sehr mager aus.

Als die Exkursionsgruppe das 1992 eröffnete „Historial de la Grande Guerre“, ein Museum mit einer nicht-wertenden Ausstellung über den Krieg, besuchte, fiel mir sofort die Dreichsprachigkeit des Museums auf. Gemäß im Geiste der deutsch-französischen Freundschaft und der Versöhnung war das Museum in Französisch, Englisch und Deutsch erklärt. Doch deutsche Touristen kommen seit der Eröffnung nur wenig. So verwundert es nicht, dass neue Exponate oft keine deutsche Beschreibung mehr haben, sondern an dieser Stelle nun eine niederländische Definition zu lesen ist. Denn anders als die Deutschen besuchen flämische Belgier gerne das Historial.

Verdrängung durch den Zweiten Weltkrieg

Aber wen soll das verwundern? Der Erste Weltkrieg hatte besonders für Deutschland enorme Folgen: Der Wegfall der Monarchie, die Einführung der Demokratie, Hyperinflation etc. Doch da der Zweite Weltkrieg viel gewaltigere Ausmaße hatte und dadurch das deutsche Selbstbild schwer zerrüttet wurde, ist der Erste Weltkrieg beim Otto Normalverbraucher schlicht in Vergessenheit geraten.

Zum Verwundern der ehemaligen Kriegsgegner: Einladungen zu gemeinsamen Gedenkveranstaltungen werden von der deutschen Politik höchstens auf oberster Ebene zur Kenntnis genommen. Es stellt sich bei den Franzosen daher oft die Frage, ob sich die Deutschen immer noch schämen für die beiden Weltkriege. So war der Besuch einer deutschen Polizeieinheit zu einer einzelnen Gedenkveranstaltung vor einigen Jahren in Frankreich eine große Sensation. Diese Einheit hatte im Ersten Weltkrieg gemeinsam an der Somme gekämpft und daher hatte man von allierter Seite eine Einladung geschickt. So froh, dass endlich mal eine größere deutsche Delegation zum gemeinsamen Gedenken erschien, geschah es, dass unzählige allierte Gedenkorganisationen spontan diese Polizeieinheit auf deren Veranstaltungen ebenfalls einlud. Mittlerweile kommen sie jedes Jahr im Sommer nach Nordfrankreich.

Vergessenes Gedenken

Auch wenn Krieg niemals verherrlicht werden sollte, Respekt vor Toten sollte man immer haben. Egal welche Umstände zum Tod führten. Mir wurde die fehlende Sensibilität der Deutschen, den Ersten Weltkrieg als weitrechendes Ereignis angemessen zu würdigen exemplarisch bewusst als wir einen deutschen Soldatenfriedhof aufsuchten. Weitläufig verteilt begutachteten wir die Gräber. Doch plötzlich brüllte von weit her unsere sympathische deutsche Führerin quer über die Kreuzer der Gräber hinweg als fände hier gerade der Nippeser-Wochenmarkt statt. Ein eher triviales Gedicht über den Krieg wie eine Besessene heraus zu schreien, war ihr wohl wichtiger als die Einhaltung der Totenruhe. Als ich sie mit anderen Komilitonen darauf ansprach, kam nur barsch und schlecht ausweichend der Ausspruch, dass hier ja auch einer Rauchen würde. Und wenn einer von Dom springt, springt man hinter her? Übrigens rauchte in dem Moment auch niemand von uns und das hätte ich ebenso wenig gut geheißen. Yes, I am fun at parties… Jedenfalls glaube ich nicht, dass auf einen Friedhof anderer Nationen, wo Ehrenämtler die Totenruhe überwachen und freundlich Informationen an Besucher vermitteln so etwas möglich wäre.

Aufgrund von geringen Geldmitteln müssen sich jeweils vier deutsche Tote ein schlichtes Grabkreuz teilen. Die meisten Toten waren bereits nahe der Front bestattet worden und wurden dann in den 1920ern in zentral angelegte Friedhöfe umgebettet. Schließlich wollte die lokale Bevölkerung nicht die feindlichen Soldaten auf ihrem eigenen Friedhof haben. Die Gestaltung ist im Vergleich zu den anderen Friedhöfen sehr schlicht gehalten. Von strengen Gartenpflegeregeln wie bei Briten oder einer Vorliebe zur perfekten Symmetrie wie bei den Franzosen ist man hier weit entfernt. Dennoch hat diese schlichte Gestaltung des Friedhofs eine gewisse traurige Schönheit. Jüdische Deutsche sind hier gleichberechtigt neben ihren christlichen Kameraden bestattet. Der Geist von 1933 hauchte in den 1920ern, als der Friedhof angelegt wurde, noch nicht. Dieser Geist zerstörte jedoch ihre Grabsteine während der deutschen Besatzung Frankreichs 1940-1944. Sie wurden inzwischen aufwendig restauriert bzw. neu aufgestellt.

Restaurierter jüdischer Grabstein

Restaurierter jüdischer Grabstein

Mehr Pietät und Gedenken müssen die Toten auf den Friedhof von ihren Landsleuten nicht erwarten. Diese kriegen sie von den Nachfahren der ehemaligen Feinde. So prangte eine einzelne Mohnblume am zentralen Denkmal des Friedhofs, die eine englischer Schulklasse aus London hinterlassen hatte: „Remembering the sacrifice made by the young of all sides in the Great War“. Auf deutsch in etwa: „Im Gedenken an das Opfer, welches die Jungen aller Seiten im Großen Krieg aufbrachten“ Obwohl bereits 100 Jahre vergangen sind und Europa größtenteils in Frieden zusammen arbeitet, hat mich diese Ausdrucksform der Völkerverständigung berührt.

Denkmal im Stile der 1920er Jahre